im Februar

Tristan Marquardt:

zeit für umschulung, dressur, der kurs heißt kuschelkurs und

 

fuhr soeben mit dem taxi in den tunnel. gib zu, du wusstest nicht,

warum vertrauensbildende maßnahmen deinen sitz vorgewärmt

hatten. fragtest den fahrer, er bat um geständnis. also bitte: licht

ist leichter als schatten, akklimatisierung aber kennt kein gewicht.

gewiss. doch was heißt dann, sich entwöhnt zu haben? dumme

frage? gibt es nicht. wenn also wahr ist, dass nach der saison die

unzeit kommt, wo befinden wir uns jetzt? an welchem punkt einer

freundschaft erklärt man die vergangenheit zur leitidee? und wann

springt der hund aus dem fahrenden auto? warte mal. niemand

springt jetzt aus irgendeinem auto - ist das klar? alles schweigt,

nur das taxometer schweigt mit sich selbst. nichts traut nichts

über den weg, obwohl es nur einen weg gibt. und alles ist keine

gruppe. woran sich die augen längst schon gewöhnt haben. schein-

werfer, was hinter ihnen liegt, so viel ist sicher, kein licht. und du,

nur fragen im blick, kannst dirs nicht merken. nimm die brücke,

dressur. dass dieser tunnel, als dessen schüler wir uns zu fühlen

begonnen haben, beendet und als straße fortgeführt werden wird.

 

 

aus: das amortisiert sich nicht. kookbooks, Berlin 2013

 

 

im Januar

Marion Poschmann: Umnachtungen

 

heimleuchten, Einsamkeit,

Dunkel so dicht, dass es funkelt, und

 

Reiz-Reaktions-Schema: "an dir entzündet"

die stiebenden Lippen, knisternden Finger,

wie Chinakracher zwei Körper die lautstark

 

sacken aus seltsamen Fallhöhen, sanftmütig

zeichnen sich Dinge ab,

Türen und Schränke, die offenen Ränder,

die Schatten von Anfang und Ende -

zersprühende Wunderkerzen: so sind wir und brennen

die Jahre ab - black box: die Seele

in schwarzen Tapeten,

 

der Kronleuchter ausgelöscht, ohne einander

sind wir verschlossene Kammern

in denen es finster ist

 

 

aus: Verschlossene Kammern. zu Klampen, Lüneburg 2002